«Ich stehe total hinter dem Freisinn»

Erschienen in der Luzerner Rundschau, 26. Oktober 2012

Jacqueline Theiler (31) ist seit Januar 2012 Geschäftsführerin der FDP.Die Liberalen Kanton Luzern. Die Luzernerin ist die Tochter von FDP.Die Liberalen Ständerat Georges Theiler. Im Gespräch erzählt sie über ihren bisherigen Werdegang.

Die Geschäftsführerin empfängt mich in der Altbauwohnung der Geschäftsstelle der FDP.Die Liberalen Luzern an der Waldstätterstrasse. Es herrscht «Umzugsflair», denn bis vor kurzem teilte sich die Geschäftsführung die Räume mit der Sektion der Stadt Luzern, die nun weggezogen ist. Jacqueline Theiler führt mich vom leerstehenden in den «bewohnten» Teil, der aus einem hellen Büro und einem Sitzungszimmer besteht. Das Büro teilt sich die Geschäftsführerin mit zwei Kolleginnen. Prunkstück der Räumlichkeiten ist der Balkon, der über dem Helvetiaplatz thront und von einer Rede ans Volk träumen lässt. Ich setze mich ins charmant-chaotische Sitzungszimmer, während dem Jacqueline Theiler wiederholt vom Telefon beansprucht wird. Endlich bereit für das Gespräch, klingelt im Hintergrund das Telefon schon wieder. «Nein, jetzt lasse ich es», sagt Theiler. Das Gespräch konnte beginnen.

Frau Theiler, wie ist es, immer als Erstes auf seinen Vater angesprochen zu werden?
(lacht) Gehen sie tatsächlich davon aus, dass ich immer auf meinen Vater angesprochen werde? Nein, es ist natürlich schon so. Ich werde oft auf meinen Vater angesprochen. Inzwischen stört es mich nicht mehr. Als ich in der Pubertät war, war das aber etwas schwieriger, dann habe ich das weniger gerne gehört. Aber heutzutage komme ich damit ganz gut zurecht, zumal wir ja jetzt beide für die FDP.Die Liberalen tätig sind. Damit musste ich rechnen, als ich diesen Job angenommen habe.

Wie sind Sie aufgewachsen?
Ich bin in der Stadt Luzern, im Obergütsch, aufgewachsen. Natürlich war ich schon als Kind geprägt von der Politik. Mein Vater war im Grossrat und später Nationalrat, das hat mich auf jeden Fall beeinflusst. Dann war Politik zu Hause am Mittagstisch ein Thema? Ja, sie hat tatsächlich eine grosse Rolle gespielt. 1995 wurde ihr Vater in den Nationalrat gewählt, sie waren damals mit 14 Jahren anfangs Pubertät.

Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Es war schon so, dass wir dort auch mitgeholfen haben. Wir haben Flyer verteilt und haben den Wahlkampf hautnah miterlebt. Diese Zeit war auf jeden Fall prägend, das kann ich nicht verneinen.

Haben Sie schon immer gewusst, dass Sie ins politische Geschäft einsteigen wollen?
Nein, ich bin erstaunlicherweise erst spät darauf gekommen, was ich eigentlich genau machen will. In der Jugend hatte ich noch ganz andere Vorstellungen.

Was waren das für Vorstellungen?
Ich habe mich eher als Lehrerin gesehen, oder als Physiotherapeutin. Beides Wege, die völlig anders sind, als mein jetziger. Erst in der Kanti begann ich mich für das Politische zu interessieren.

Man sagt ja, dass Kinder den Eltern gegenüber entweder rebellisch oder gleichgesinnt auftreten. Haben Sie mit der Wahl des Studiums der Politik- und Betriebswissenschaft, beides Themengebiete Ihres Vaters, einen Mittelweg eingeschlagen, um seine Tätigkeiten wissenschaftlich zu erforschen?
(lacht) Ja, so kann man das nennen. Es ist wirklich so, dass wir zwei verschiedene Rollen haben. Ein Politikwissenschaftler ist eben gerade nicht Politiker. Man analysiert und erörtert das politische Geschehen.

Dann war das Studium quasi eine Erörterung des eigenen Vaters?
Ja genau. Ich habe gewissermassen meinen Vater unter die Lupe genommen.

Sie haben in Fribourg studiert. Was für eine Rolle hat dabei das Verlassen des Elternhauses gespielt?
Das hat natürlich eine Rolle gespielt. Ich habe meine Matura mit 20 Jahren abgeschlossen, dann kommt automatisch das Bedürfnis, weg von zu Hause zu ziehen. Gross abnabeln musste ich mich aber nicht. Ich hatte eine gute Zeit, es hat sich gelohnt.

Was haben Sie während Ihrem Studium gelernt?
Selbstständigkeit.

In der Wissenschaft lernt man ja ziemlich schnell, dass es die eine Wahrheit nicht gibt. Vielmehr existieren verschiedene Wahrheiten. Gibt es für Sie auf der politischen Ebene die eine Wahrheit?
Wenn man voll und ganz freisinnig ist, wie ich das bin, ist man von dieser Einstellung überzeugt. Ich stehe total hinter dem Freisinn. Aber klar, es ist auch die Einsicht da, dass es bei mehreren Ansichten und Einstellungen förderlich ist, einen Weg zu finden, der breit abgestützt ist.

Wie lange sind Sie schon Mitglied der FDP.Die Liberalen?
Erst seit etwa drei Jahren. Als Politikwissenschaftlerin kann es auch ein «Hemmschuh» sein, sich früh parteipolitisch zu entscheiden. Darum wollte ich mich lange nicht festlegen.

Was gab dann den Ausschlag, dass Sie sich für die Mitgliedschaft entschieden haben?
Ich habe mich bei meinem ersten Job, beim Finanzdepartement des Kantons Obwalden, für diesen Weg entschieden. Ich unterstützte dort Regierungsrat Hans Walimann. Er und mein Chef, der Departementssekretär, waren beides leidenschaftliche CVP-Anhänger. Dort haben wir dauernd politisiert und ich habe immer die Rolle der FDP. Die Liberalen eingenommen. So habe ich gemerkt, dass ich mich auf diesen Weg festlegen möchte.

Also haben Sie durch das Polarisieren gemerkt, dass Sie eben doch zur FDP.Die Liberalen gehören?
Ja genau, da habe ich wirklich gewusst, wohin ich gehöre. Ich wollte mich dann in gewissem Sinne «Outen» (lacht) und zu meiner politischen Gesinnung stehen. Ich habe beim Kanton Obwalden auch für den Kantonsrat und die Kommissionen gearbeitet. Das ist der Ort, wo Politik gemacht wird. Dort wurde mir bewusst, wie wichtig die parteipolitische Arbeit ist.

Seit Januar sind Sie nun Geschäftsführerin der FDP.Die Liberalen Luzern. Was fallen da für Arbeiten an?
Ich mache auf jeden Fall keinen 08/15 Job. Grob gesagt unterstütze ich die Geschäftsleitung und insbesondere den Parteipräsidenten Peter Schilliger und den Fraktionschef Rolf Born inhaltlich wie organisatorisch. Ausserdem unterstützen wir das Fraktionssekretariat und organisieren Veranstaltungen. So zum Beispiel den Parteitag vom 8. Dezember, an dem ich gerade arbeite. Dort dürfen wir Bundesrat Johann Schneider-Ammann begrüssen.

Arbeiten Sie auch mit Ihrem Vater zusammen?
Ich bin froh, dass die Zusammenarbeit mit unseren Bundesparlamentariern, ob mit meinem Vater oder mit Albert Vitali und Peter Schilliger, sehr gut läuft. Sie kümmern sich alle sehr um die Kantonalpartei. Das ist auch wichtig, weil wir auf sie angewiesen sind. Sie bringen uns die eidgenössische Perspektive und sind wichtige Austauschpartner.

Lange hatte die FDP.Die Liberalen eher das Image eines «Altherren Vereins». Rückt mit Ihnen und anderen jungen Vertretern eine neue Generation nach?
Ich hoffe es, ja. Dieser frische Wind tut gut. Ich denke, das kommt vom langjährigen Engagement der Jungfreisinnigen, die sehr aktiv sind. Man muss die Leute früh abholen und für die Politik begeistern.

Könnten Sie sich vorstellen, auf die Vorderbühne der Politik zu wechseln?
Zurzeit stellt sich diese Frage nicht. Ich glaube, es ist gut, wenn die Geschäftsführerin eine neutrale Rolle einnehmen kann.

Aber das ist ja kein Posten auf Lebzeit.
Genau. Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich mir das durchaus vorstellen. Ich habe auch noch anderes vor, werde mich aber nicht von der Politik verabschieden.

Haben Sie auch Ziele, die nicht im politischen Bereich liegen?
Die Politik ist meine Leidenschaft. Ich kann nur einem Job nachgehen, bei dem ich mein Herzblut hinein stecken kann. Darum wird das Politische immer eine Rolle spielen. Wie gross sie sein wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Ich könnte mir durchaus auch vorstellen, für ein Unternehmen im Bereich der Kommunikation zu arbeiten. Kommt Zeit, kommt Rat!

Beitragsbild: Nick Schwery

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