Aus den Fugen gespielt

Erschienen in 041 Das Kulturmagazin, Dezember 2013
Sie kommen von der klassischen Musik, spielen aber Folk, Pop, Rock und vieles mehr: Nun liefern Penguins by Choice ein eigenständiges Debüt-Album weitab vom Indiepop-Mainstream.
Ein Starpianist, der inmitten einer Hammerklaviersonate sein Spiel abbricht und den vollen Konzertsaal durch die Hintertüre verlässt: Dieses Szenario beschreibt Alain Claude Sulzer in seinem Roman «Aus den Fugen». Auch Brendan Walsh (im Bild ganz vorne), Kopf der Luzerner Band Penguins by Choice, hat der klassischen Musik den Rücken gekehrt – nur weit weniger dramatisch. Der gebürtige Ire ist mit Folk-Musik aufgewachsen, hat sich im
Alter von 16 Jahren aber entschieden, klassische Gitarre zu spielen. «Ich habe dann zehn Jahre für die klassische Musik gelebt, am Schluss in Luzern studiert. Aber ich fühlte mich nicht zu Hause», sagt der Vollblutmusiker Walsh.
Die Verdrossenheit gegenüber dem klassischen Musikbetrieb liess ihn im Juni 2011 mit vier Freunden die Band Penguins by Choice gründen. Zusammen spielen sie Musik, die in keine vorgefertigte Schublade passt. «Penguins by Choice ist das, was ich eigentlich mit dreizehn Jahren hätte machen sollen. Eine Band, die einfach Musik macht», sagt Walsh. Dazu gehört etwas Folk, etwas Ska, ein bisschen Pop und Rock. Aber selbst Discobeats und eben auch klassische Töne gehören in die Klangwelt der Pinguine, zu der neben E-Gitarre, Bass und Schlagzeug auch eine ganze weitere Palette von Instrumenten wie das Banjo, der Synthesizer, das Akkordeon, das Glockenspiel oder das griechische Saiteninstrument Bouzouki gehört. Da Walsh das Einordnen von Musik in ein Genre zuwider ist, versucht er die Klänge der Penguins by Choice über Bandeinflüsse zu beschreiben: «Ich liebe die Klangwelten von Arcade Fire, The Foals und Tom Waits. Das sind für mich die drei grössten Einflüsse auf meine Musik.»
Die Pinguine geniessen das Spiel mit Stilen und Instrumenten (zu sehen auch in ihren unterhaltsamen Videos!). Zu diesem gesellt sich auch ein Spiel mit Identitäten: Alle Bandmitglieder besitzen einen Spitznamen – ein Einfluss von Walsh, der seinen Bekannten chronisch Spitznamen verteilt und darob nicht selten vergisst, wie sie richtig heissen. «Bei Penguins by Choice möchte ich in einer anderen Welt sein», erklärt er, «also bin ich Josephine Steady. Dann haben wir noch Danger Morat, Morton Stringbender, die beide auch von der klassischen Musik kommen und die beiden Entlebucher Boot und Riffler.»
Mit dem Debüt-Album «Phobobic» präsentiert die Band nun einen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens, der sich unverbraucht und erfrischend anhört. Nicht zuletzt, weil die Dramaturgie der siebzehn Lieder funktioniert. Das Album kombiniert facettenreich all die Elemente, die Penguins by Choice ausmachen. Dazu gehört auch ein Penguin-Set, das die Band jeweils auf der Bühne spielt und dem Album für 15 Minuten ein echtes Live-Gefühl vermittelt. Die ganze Stil- und Klangvielfalt verzettelt sich dabei nie, sondern ist wohlkomponiert und durchdacht. Penguins by Choice befreien sich von den Fugen der klassischen Musik, geraten dabei selbst aber alles andere als aus den Fugen.
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